Samstag, 12. März 2011

Die weiße Schokolade

Vor einigen Tagen hatte ich ein sehr aufschlussreiches Gespräch mit einer meiner besten Freundinnen. Es ging mal wieder über das ewig leidige Thema »Liebe«.
Kann man die große Liebe überhaupt finden? Was ist überhaupt Liebe? Und warum brauchen wir Beziehungen?
Ich habe bei dem Thema sowie so eine ganz spezielle Meinung, deswegen trafen bei dem Gespräch zwei gegensätzliche Meinungen aufeinander.
Ich bin der Meinung, dass ein Hauptgrund - vielleicht nicht der wichtigste oder ausschlaggebendste - aber ein Grund, warum man eine Beziehung braucht, der ist, dass man einen konstanten Sexualpartner hat. Ja, das ist erst mal ein primitiver Gedanke, zugegeben, aber es stimmt doch auch. Vor allem, wenn ich mir die Hetenwelt anschaue, leuchtet mir das ein: Bis ein Hetero-Mann das Weibchen nach wochenlangem Umwerben endlich mal im Nest sitzen hat, wäre es doch viel zu anstrengend, nur für den Geschlechtsakt, den ganzen Aufwand zu betreiben. Natürlich sollen auch Emotionen im Spiel sein. Habe ich gehört. Die sollen auch binden. Wenn das so viele behaupten, dann wird da wohl was drann sein.
Jedenfalls - Sex hin oder her - gibt es auch noch die Gefühlsebene und die Vertrauensbasis einer Bezieung. Das sagt jedenfalls meine Freundin. »Man hat nur einen Menschen, der einem "allein" gehört und mit dem man alles teilen kann.« Dem kann ich zustimmen, obwohl ich der Auffassung war, dass mir, abgesehen vom Sex, meine Freunde sonst alle Bedürfnisse erfüllen können. Ich kann mit ihnen über alles reden, wir haben das beste Vertrauensverhältnis, das es gibt und sie sind immer für einen da. Nur die körperliche Zuwendung - bis vielleicht auf Kuscheln - bleibt aus. Deshalb kam ich zu dem Entschluss, dass man eine Beziehung unter anderm auch wegen dem abgesicherten Sexualleben führt. Warum würden sonst so viele Beziehungen ausseinander gehen, wenn auf einmal tote Hose im Bett ist? Aber es stimmt, in einer Beziehung hat man einen Menschen, der einen besser kennt als andere, dem man alles anvertrauen können sollte und der einen manchmal auch ohne Worte versteht. Aber diese Vertrautheit kommt, meiner Meinung nach, auch nur durch die körperlich intime Beziehung. Man kennt sich wortwörtlich in- und auswendig. Man hat sich nackt gesehen. Man macht intime Dinge. Man gibt sich dem anderen vollkommen hin und zeigt seine primitive Seite. Deshalb baut man auch eine Vertrauensbasis auf, die man mit keinem besten Freund der Welt hat.

Ich weiß nicht, ob meine Ansicht verkehrt ist oder vielleicht primitiv oder infantil, aber ich hoffe, ich bin nicht der Einzige auf Erden, der so denkt. Ich bin auch kein Befürworter von One-Night-Stands. ONS sind für Zwischendurch ganz schön. Eine nette Abwechslung, aber die emotionale Bindung fehlt. Und das gemütliche Danach-im-Bett-Gammeln bleibt auch meistens aus.

Wir kamen dann bei dem Gespräch zu einem weiteren Punkt. Es gibt Pärchen, die als Jungfrauen in die Beziehung gekommen sind und zudem die Beziehung dann meist noch ihre erste ist.
Ich habe zu diesem Thema eine genauso spezifische Meinung. Auch wenn man denkt, es sei die große Liebe, kann man sich denn sicher sein - wenn es die erste Beziehung ist - dass man mit dieser Person, den Rest seines Lebens verbringen möchte? Ich kam und werde nie in diese Situation kommen, da ich bei meiner ersten Beziehung keine Jungfrau mehr war und ich auch im Vorhinein schon wusste »Das hält eh nicht lange...«. Jedenfalls bin ich der Meinung, dass das ziemlich schwierig ist, wenn man nur einen Geschlechtspartner hat oder hatte. Ich glaube, man muss sich doch immer fragen, ob man was verpasst oder ob es bessere Alternativen gibt. Auch wenn man glücklich in der Beziehung ist. Aber die Frage bleibt offen. Dann gibt es natürlich noch Variationen in der Aussgangssituation: Sind beide Jungfrauen oder hatte einer der beiden schon eine oder mehrere Beziehungen bzw. Sexualpartner? Bei ersterem Fall ist die Sache nicht ganz so tragisch, beide sind in einem gleichberechtigten Verhältnis. Aber sobald einer mehr erfahren ist, als der Andere, kommen bei dem Unerfahrenen bestimmt Zweifel auf. Der Drang etwas nicht erlebt zu haben, was der andere schon hatte. Aber vielleicht liege ich mit meinen Thesen auch total falsch.
Die Freundin jedenfalls meinte, es ist schwer zu sagen, denn wenn man mit dem jetzigen Partner glücklich sei und es die große Liebe sei, dann hat man bestimmt nicht dieses Verlangen nach etwas anderem. Man ist ja zufrieden mit dem, was man schon hat.

Ich erwiderte darauf: Schau mal. Es ist wie mit Schokolade. Du isst dein Leben lang nur dunkle Schokolade. Weil sie dir schmeckt. Du brauchst nichts anderes. Du bist mit ihr zufrieden. Sie macht dich glücklich. Du kennst sie. Du schätzt ihren Geschmack und kannst dir nichts besseres vorstellen. DOCH WARTE! Es gibt noch weiße Schokolade. Du weißt nicht wie sie schmeckt, da du bis dato nur dunkle gegessen hast. Schmeckt sie besser? Vielleicht auch nicht. Schmeckt sie anders? Sicherlich. Macht sie auch süchtig, glücklich, zufrieden wie dunkle Schokolade? Solche und andere Fragen werden dich quälen, solange du sie nicht probiert hast. Du kannst dir nicht sicher sein, ob sie nicht besser ist als deine dunkle Schokolade. Vielleicht findest du weiße Schokolade scheußlich, nachdem du sie probiert hast; vielleicht wirst du süchtig nach dem Geschmack und bedauerst es, sie nicht schon früher probiert zu haben. Wer kann das schon sagen? Und wer kann mit Sicherheit behaupten, er möchte auf das Unbekannte verzichten und lieber mit dem was er schon kennt, glücklich bleiben, nur um sicher zu gehen? Aber vielleicht findet man im Nachhinein die weiße Schokolade viel besser als die dunkle, von der man Jahre lang ausging, sie sei die einzig wahre Schokolade.
Es kann aber auch ein Reinfall sein, das ist klar. Wenn einem die weiße Schokolade gar nicht schmeckt und die dunkle Schokolade, an der man so lange festhielt dann auch vergriffen ist, dann steht man eventuell mit leeren Händen da. Aber wird man den Versuch, die weiße Schokolade mal probiert zu haben, denn bereuen? Ich glaube nicht!
Ich sage immer: »Man bereut nur die Dinge, die man nicht tut!« Und nach der Devise versuche ich auch zu leben. Und selbst, wenn ich dafür eine Beziehung opfern müsste. Wenn einen der Partner wirklich liebt, dann wird er es auch verstehen. Das hört sich vielleicht etwas krass und voreilig an, aber ich stelle mir jedes Mal vor, wie ich im Alter in meinem Schaukelstuhl sitze und mich frage »Warum hast du es damals nicht einfach getan, als du noch konntest, du Idiot!«  Mir graut vor dieser Vorstellung. Und da man nur einmal lebt, sollte man einfach die Dinge tun, die man für richtig empfindet. Wenn einer keine Zweifel hat, muss er ihnen auch nicht nachgehen und in dem Beispiel mit der Schokolade auch nicht die Weiße probieren. Ich aber hätte in dieser Situation mit Sicherheit meine Zweifel und würde immer nach der weißen Schokolade greifen! Und selbst wenn es ein riesen Fehler wäre: Man lernt nur aus Fehlern!

Aber wie gesagt, ich werde nie in diese Lage kommen. Darüber bin ich froh. Aber zum Glück oder meinem Pech werden sich bestimmt andere Situationen ergeben, in denen ich mich zwischen der dunklen und der weißen Schokolade entscheiden muss! Warum kann man nicht einfach immer nach Kinder Riegel, Ritter Sport Duo oder Milka Kuhflecken Schokolade greifen? Die schmecken doch eh viel interessanter. Und damit wäre sicherlich das eine oder andere Problem gelöst! ;)

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